"Aus der Versenkung" Iuliia Tarasova die Seeschlange | DRACHENREITER . Große Oper für kleine Ohren

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Jul
05

„Aus der Versenkung“ Iuliia Tarasova die Seeschlange

Ein gewaltiges Kleid, ein tief sitzender Helm, Nebel und Dunkelheit. Aus der Versenkung taucht Iuliia Tarasova für die meisten besser bekannt als die Seeschlange, auf. Vielleicht nicht aus den Fluten des Arabischen Ozeans, doch aus der ebenso düsteren unteren Bühne. Iuliia legt einen dramatischen ersten Auftritt hin der ihrer Rolle und der Szene mehr als gerecht werden. Die Seeschlange hat bei uns allen einen bleibenden Eindruck hinterlassen, ob nun durch die aufwändige Inszenierung des Schlangenleibs, der wunderschönen Arie, dem strahlendem Kostüm oder dem auffälligen doch angenehmen Akzent von Iuliia, kann jeder selber sagen, doch alles in allem ist dies einer der Eindruck stärksten Szenen in der ganzen Oper.  Gerade die Arie der Mezzosopranistin lässt einen erschauern, von mittleren zu sehr hohen Tonlangen schwankt die Arie auf und ab, wie auch der bewegliche Leib der Schlange. Iuliia beschreibt die Schlange als ein uraltes und dadurch ruhiges Wesen, doch gerade im zweiten Teil ihres Stückes beweist sie, dass sie auch anders kann sie ist mutig, aber auch wütend, sie schlug Nesselbrand den Goldenen in die Flucht und genau diese stärke klingt in der dramatischen zweiten Hälfte durch.
„Ich liebe diese Arie es ist ein sehr schönes Stück“ Erzählt mir die junge Opernsängerin. Es passe sehr gut zu ihrer Stimme meinte sie und das kann ich bestätigen, das Stück klang wunderbar Harmonisch obwohl es definitiv kein einfaches Stück war.

Im folgenden Interview brachte Iuliia mir etwas über das Opern singen bei, ich persönlich bin nicht sehr erfahren mit den verschiedenen Stimmlagen und so erklärte sie es mir einmal genauer Mezzosopran, ist italienisch und bedeutet so viel wie „halber“ Sopran „Das heißt aber nicht das wir nur eine halbe Stimme haben“ Versicherte sie mir. „Es heißt das wir halb so hoch sind wie der Sopran“ Dann gäbe es noch zwei weitere Abstufungen des Mezzosoprans, den Dramatischen Mezzosopran und den Lyrischen Mezzosopran. Der Dramatische Mezzosopran sei oft für böse, alte Frauen gedacht, so wie Hexen oder böse Mütter und dergleichen, während der lyrische Mezzosopran den auch Iuliia singt etwas düsterer und weicher und manchmal auch etwas höher ist. Was ihre Lage so passend für die Seeschlange macht, die zwar düster ist, aber keinesfalls böse.
Iuliia Tarasova ist eine studierte Ukrainische Mezzosopranistin, doch für ihren Master entschied sie sich nach Deutschland zu kommen. Als ich fragte warum sie nicht weiter in der Ukraine singen wollte, antwortete sie das die Deutschen Opern mehr Rollen für Mezzosopranistinnen wie sie hätten, ihre Stimme würde sehr gut auf deutsche Stücke von Mozart und wie sie vor kurzem herausfand, auch von Bach passen. Schon nach kurzer Zeit in Deutschland gewann die jetzt 29 Jährige den Bach Award. Kurz und knapp: Ihre Stimme passt besser auf deutsche Opern als auf Russische und so fühlt sie sich auch nach drei Jahren in Deutschland noch gut aufgehoben.

Doch was hält die Oper am leben? Warum stirbt so ein altes Handwerk nicht aus ? Habe ich sie gefragt, denn nun ja wenn man junge Leute fragt, antworten viele, dass sie nicht oft oder gar nicht in die Oper gehen, stimmst? Nach Iuliias Erfahrung scheint sich das gerade zu wandeln, viele junge Leute, so ab zwanzig besuchen Klassische Stücke, doch nur diese Stücke die sich anpassen, deren Inszenierung genauso aufwändig, technisch und modern ist wie unser alltägliches Leben. Animationen und Kurzfilme wie im Drachenreiter sollten zur Oper dazu gehören, sie machen die Stücke auf eine moderne Art lebendig. „Wir sind  es im Alltag  gewohnt warum es dann nicht in der Oper auch anwenden“ Einige Stücke können solche Inszenierungen als „Waffen“ einsetzten um durch unsere, manchmal etwas sturen Teenager Köpfen hindurch zu kommen und uns zu zeigen, Oper kann etwas für jeden sein. Wenn eine Oper es wirklich darauf anlegt auch für junges Publikum ansprechend zu sein, dann kommt die Jugend auch in die Oper. So wie wir es beim Drachenreiter gesehen haben .
Nach Iuliia Vorstellung, stirbt die Oper nicht aus. Wenn überaltert sie ein bisschen.
„Oper war schon immer etwas für reiche, gesetzte, manchmal ältere Leute.“ Meint sie, doch vielleicht wird sich das jetzt ändern. Der Drachenreiter hat einen Meilenstein gesetzt, vielleicht folgen nun mehr solcher Jugendopern, es wäre schön zu sehen wie sich das Klischee ändert, das Oper nicht nur was für alte Leute ist, sondern für jeden Musik interessierten Menschen ob Jung ob alt. Iuliia konnte mit ihrer Arie sowohl Kinder wie auch Erwachsene verzaubern, ein wunderschönes gesangstechnisch hochwertiges und anspruchsvolles Stück, gepaart mit einem unglaublichen Auftritt. Jedem, wirklich jedem ist diese Szene im Gedächtnis geblieben und dafür, danke Iuliia. Nachdem was ich gehört hab hat es dir auch viel Spaß gemacht unsere majestätische Seeschlange zu spielen, und ich wünsche dir noch viel Glück bei deiner weiten Karriere.

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