"Vierarmig passt zu mir" – Henning Kothe | DRACHENREITER . Große Oper für kleine Ohren

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Sep
20

„Vierarmig passt zu mir“ – Henning Kothe

Henning Kothe, wir kennen ihn aus der Oper als vierarmigen Kobold Burr-burr-tschan, doch hinter diesem Mann im roten Flauschkostüm steckt noch viel mehr als ein bloßer Darsteller. Hiermit darf ich euch die treibende Kraft hinter dieser Oper vorstellen: Den studierten Opernsänger und Dr. med. Henning Kothe.

Der Drachenreiter mag ja eine spannende Geschichte sein, doch wie Cornelia Funkes Meisterwerk es schließlich auf die Lübecker Bühne geschafft hat, ist ebenso spannend. Alles begann vor 4 Jahren in seiner Arztpraxis in Altona. Denn wenn Henning nicht gerade auf oder hinter der Bühne steht, ist er Internist und Lungenfacharzt. Eines Tages kam ein Patient in seine Praxis, der schon einige Kinderopern gesehen hatte, bei denen Henning mitwirkte, wie zum Beispiel das „Rheingold“ von der Taschenoper Lübeck“ und auch „Siegfried“ oder „Der fliegende Holländer“. So half Henning das Motto „große Oper für kleine Menschen“ in die Tat umzusetzen. Gerade dieses Motto fand der Patient so Unterstützens wert, dass er Henning über eine Freundin von ihm mit der weltbekannten Kinderbuch Autorin Cornelia Funke in Kontakt brachte.

Mit seinem unvergleichlichen Enthusiasmus und seinem Charme überzeugte er Frau Funke, ihm die Opernrechte für den Drachenreiter zu überlassen. So weit so gut, die Erlaubnis hatte er schon einmal, doch wie macht man denn dann aus einem Buch eine Oper? Das hab ich mich auch gefragt, die Antwort heißt: „Man schreibt ein Libretto“

„Aha;….danke!“- Aber was zum Geier ist denn jetzt ein Libretto? Ein Libretto ist eine Bühnenversion, eine Fassung der ursprünglichen Story, die weitestgehend aus Dialogen und Regieanweisungen besteht. So wird aus einem 448 Seiten langen Buch ein 40-50 Seiten Libretto. Welches dann schon einmal einem Theaterstück ähnelt. Doch Henning wollte eine Oper unter dem Motto: „Große Oper für kleine Ohren“.

Für die Komposition holte er sich den aus Hannover stammenden Jan Pezold ins Boot. Die Beiden setzte sich das Ziel, die Oper solle ein „Ear-cather“ werden; also Ohrwurmpotential haben. Die Musik sollte die Zuschauer mitreißen. So orientierten sie sich an moderner Filmmusik. „Avatar-Aufbruch nach Pandora“ war eine der wichtigsten Inspirationen für Lungs Flugszenen. Doch nicht nur aus Filmen, sondern auch aus klassischen Stücken wählten sie Zitate wie Wagner mit seinem Siegfried, der mit lustigem Hörnerklang Drachen jagte oder der Hexe Baba Yaga in ihrer hühnerbeinigen Hütte, deren akustisches Logo Mussorgsky erfand und auch James Bond lässt grüßen. Diese Zitate sollen helfen, Kinder auch auf größere und ältere Werke neugierig zu machen.

Doch meine große Frage war; wie denkt man sich denn die Musik für eine ganze Oper aus? Klar der Text steht ja schon, doch die passende Musik zu finden ist ja auch nicht ganz einfach. Wahrscheinlich liegt es einfach daran das Jan und Henning in meinen Augen zwei musikalische Genies sind und ich nicht. So sie haben es geschafft, sowohl die Thematik als auch den Inhalt jeder Szenen perfekt und abwechslungsreich darzustellen. Da hört man z.B. die typischen Klänge aus Pakistan oder dem Tibet, also all der Länder, die Lung und seine Freunde bereisen – und das gefühlt einfach locker aus dem künstlerischen Handgelenk…. Nun jaaa, ganz so einfach lief das wohl auch nicht ab! Zwar waren die Ideen für die einzelnen Stücke schon da, doch die Umsetzung ist weitaus komplizierter. Um die ersten Klänge auszuprobieren und zu testen, ob Vorstellung und Realität einander entsprechen, werden digitale Instrumente in einem Computerprogramm benutzt. Doch wie kommt man dort hin? Wie macht man aus Noten Musik? Henning erklärte es mir so: „Noten sind eine Sprache, bei meinen vielen Projekte habe ich sie zu lesen gelernt, beim Drachenreiter musste ich sie jetzt auch sprechen“

Sehr anschaulich erklärt Henning mir, wie er zusammen mit Jan auf verschiedene Weise diesen „Ear-cather“ Effekt hervorgerufen hat. Bei den Staubelfen zum Beispiel war es ganz einfach, da die Worte den Rhythmus bereits vorgeben. Ich denke viele mussten nach der Vorstellung immer noch „Eindeutig, Zweideutig, Dreideutig falsch….“ leise mitsummen, ich zumindest musste das. Doch auch die Wahl der Instrumente ist entscheidend. Wenn man an bekannte Filmmusik denkt, kommen unweigerlich Bilder von Star Wars, Herr der Ringe, Titanic oder bei manchen auch Interstellar hoch. All diese Stücke werden (mal abgesehen von Interstellar) von Blechbläsern und Streichern dominiert. Doch dann kam noch ein anderes Problem ins Spiel, inwieweit kann ein klassisches Orchester die ägyptischen oder pakistanischen Klangfarben wiedergeben. Hier spielen die vielen Instrumente des Schlagwerks eine unüberhörbare Rolle.

Neben dem Libretto und der Komposition und dem Burr-burr-tschannen hatte Henning auch so alle Hände voll zu tun und ist eine maßgeblich treibende Kraft hinter der Bühne. Deswegen passt Burr-burr-tschan wohl so gut zu ihm; denn, vierarmig steht ihm gut!

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